Achtung:
Diese Webseite ist nicht mehr aktuell, wird nicht mehr gepflegt und in den nächsten Tagen abgeschaltet wird. Alle Inhalte für Eltern werden aktuell auf dem Esstisch integriert:

https://am-esstis.ch/

Unsere Chat-Gruppen

FBT und die "Klinik zu Hause" bringt uns Eltern und auch die Kinder und Geschwister an Grenzen. Das geht nur, wenn man für sich selbst klar hat, wo diese Grenzen liegen. Ab einem bestimmten Punkt ist eine Behandlung zu Hause nicht mehr möglich. Wenn der Krankheitsverlauf schon weit fortgeschritten ist oder bereits ein sehr großer Gewichtsverlust vorliegt, dann kann eine vorübergehende Stabilisierungsphase in einer Klinik unumgänglich sein. Das ist kein persönliches Versagen, Magersucht ist eine verheerende Krankheit.


In unseren Online Gruppen geht es nicht um Beratung, Therapie oder Coaching durch die Gruppen-Moderatorinnen. Es geht vielmehr darum, dir einen schnellen und einfachen Austausch mit anderen Eltern zu ermöglichen, die sich gerade in einer ähnlichen Situation befinden. Die Grundprinzipien, die die Moderatorinnen in den Gruppen vermitteln, orientieren sich an den internationalen FBT Standards, den S3-Richtlinien zur Behandlung von Essstörungen und an dem was anderen auf ihrem Weg aus der Magersucht geholfen hat.

Wenn du an unseren Magersuchteltern Chat-Gruppen zum Refeeding teilnehmen möchtest, dann mache dir bitte klar, dass das nur geht, wenn du folgende Punkte akzeptierst und mittragen kannst:

 

1. Persönliche Vorstellung 
Bitte stelle dich in den Chatgruppen, die meist weniger als 10 Teilnehmer haben, vor. Umreiße dabei kurz deine Situation: Wer bist du. Wer gehört zu deiner Familie. Wer ist Patient. Größe/Gewicht/Alter. Welche Situation besteht aktuell. Die anderen Teilnehmer werden dich begrüßen und sich ebenfalls vorstellen.

2. Moderatoren 
In jeder Gruppe gibt es drei Moderatorinnen. Diese sind selbst betroffene Eltern, die bereits gute Erfahrungen im eigenen Home Treatment haben. Sie begleiten den Austausch, sind aber nicht die einzigen, die dir Tipps geben können. Die Gruppe lebt vom Austausch miteinander. Die Moderatorinnen in den Gruppen sind erfahrene Eltern und verfügen über einen großen Wissensschatz, aber sie haben keine medizinische oder therapeutische Ausbildung und ersetzen daher auch keine ärztliche und therapeutische Behandlung. Die Verantwortung für dein Handeln liegt jederzeit bei dir und du entscheidest, ob und wie du Tipps und Anregungen aus den Gruppen übernimmst und was für eure Situation passend ist.

3. Austausch in den Chatgruppen 
Jeder entscheidet selbst wie viel von der eigenen Situation berichtet wird. Grundsatz ist, je mehr wir wissen, desto besser können wir helfen. Uns ist bewusst, dass die Zeit gerade am Anfang sehr knapp ist, auch kurze Impulse können helfen. Die Art des Austausches in einer Chatgruppe mit dir unbekannten Personen, ist am Anfang sehr ungewohnt. Du bist freiwillig dabei und kannst jederzeit gehen. Versuch es einfach. Durch die gleiche Lebenssituation wirst du absolutes Verständnis für deine extreme Lebenssituation erhalten.

4. Wochenstatus 
Wichtig ist für uns, dass du mindestens einmal wöchentlich einen kurzen Wochenrückblick gibst (Gewicht, Größe, Zunahme und ggf. besondere Verhaltensweisen, die dir Sorgen oder Freude bereiteten), damit wir uns besser kennen lernen und wissen, wie es bei dir zu Hause läuft. Denn Vertrauen funktioniert nur auf Gegenseitigkeit und wir unsere Erfahrungen ehrlich mitteilen. Ehrlichkeit ist dafür Voraussetzung. Denn niemandem ist geholfen, wenn wir uns gegenseitig etwas vormachen. Nur wenn wir über die Baustellen reden, können wir helfen.

5. Therapeuten 
Du wirst auf deinem Weg von Therapeuten (FBT oder andere Therapieform) begleitet. Du wirst sowohl von Fachleuten als auch von deinem privaten Umfeld sehr wahrscheinlich unterschiedliche und abweichende Methoden kennenlernen und andere Meinungen hören. Wir können nur aus unserer und der Erfahrung von Hunderten von Familien sprechen. Wir sind keine Therapeuten. Du musst am Ende den für deine Familie passenden Weg gehen. Bitte nimm unsere Erfahrungen nur als Ideensammlung und suche dir heraus, was für dich passt. Sprich gerne Probleme/Themen offen in den Gruppen an, damit wir darauf eingehen können. Wenn unser Ansatz für Deine Situation nicht passen sollte, gib uns eine Rückmeldung und suche dir dann alternative Hilfsangebote.

6. Gewicht 
Unser gemeinsames Ziel ist es, dein Kind zurück auf ein individuell gesundes Gewicht zu bringen. Wir streben dabei mindestens die BMI Perzentile 38 (nach KIGGS) an, wie im FBT Manual empfohlen. Bei einem Teil der Kinder ist es für eine Genesung notwendig, die BMI Perzentile 50 zu überschreiten. Ein Zielgewicht dauerhaft unter Perzentile 25 (KIGGS) können wir in den Gruppe nicht mittragen. Ein Grundsatz von FBT ist „state not weight“. Sollten Deine Erwartungen mit unseren Zielen nicht übereinstimmen, dann sei bitte so ehrlich und suche dir andere Unterstützung, weil unsere Chatgruppen dann nicht die richtige Hilfe für dich ist.

7. Gewichtszunahme 
Du solltest eine Gewichtszunahme von mindestens 500 Gramm pro Woche anstreben. Höhere Gewichtszunahmen sind möglich. Moderne Forschungsergebnisse zeigen, dass eine rasche und konsequente Zunahme den Heilungsprozess fördern. Eine zügige Gewichtswiederherstellung innerhalb von 3-6 Monaten ist eines der Kernprinzipien von FBT. Eine schnelle Gewichtszunahme und Gewichtswiederherstellung schadet deinem Kind nicht oder seiner Beziehung zu dir. Im Gegenteil - diese Erfahrung machen wir jeden Tag! Bitte sei so ehrlich und sage uns, wenn dieses Prinzip für dich nicht passt. Es gibt andere Therapieformen, die dann wahrscheinlich besser zu deiner Familie passen.

8. Klinik 
Sollte das Gewicht bis unter BMI Perzentile 3 fallen, dann ist ein Klinikaufenthalt in der Regel die notwendige Konsequenz. Der körperliche Zustand deines Kindes muss von einem Arzt begutachtet und bewertet werden! Unter diesem Gewicht besteht eine akute Gefährdung von Leib und Leben und die gesundheitlichen Risiken für eine FBT Behandlung sind zuhause zu groß. Gerne kannst du weiter in einer „Klinikgruppe“ bleiben, solange dein Kind stationär aufgenommen ist. Hier findest du Hilfe rund um das Thema Klinikaufenthalt und kannst dein weiteres Vorgehen planen. Ein Klinikaufenthalt bedeutet nicht, dass zu einem späteren Zeitpunkt nicht erneut ein FBT Hometreatment erfolgreich durchgeführt werden kann. Wenn du nicht bereit bist, dein Kind in diesem lebensbedrohlichen Untergewicht in eine Klinik zu bringen, dann werden wir dich im Netzwerk nicht weiter unterstützen, da wir uns für dein Kind verantwortlich fühlen und uns und auch andere Eltern in den Chatgruppen schützen müssen.

9. Psychische Probleme 
Wenn dein Kind sich suizidal äußert (den Wunsch zu sterben, tot zu sein oder sogar sehr konkret, wie es sich umbringen will), dann ist eine ab diesem Zeitpunkt 24/7 Überwachung notwendig, auch nachts. In diesem Fall wendest du dich als Notfall bei einem Therapeuten oder Psychiater und lässt dort klären, ob es sich um suizidale Tendenzen oder akute Suizidalität handelt, ob dein Kind ansprechbar ist und ob und wie eine weitere Betreuung zu Hause möglich ist. Dein Kind darf in diesem Fall keinerlei Gelegenheit haben, sich etwas anzutun und alle Gefahren im Haus müssen sofort abgesichert werden. Sämtliche Medikamente (auch vermeintlich "harmlose" ), Küchenmesser, Werkzeuge und Gifte (Alkohol/Zigaretten, Insekten/Rattengift) verschließen, Türen und Fenster sichern, damit das Kind nicht unbeobachtet flüchten kann. Im Bad auf Rasierer, Scheren, Nagellackentferner etc. achten und während das Kind dort ist, wegschließen.

10. Begleitung durch einen Haus-/Kinderarzt 
Bedingung für ein Hometreatment ist die regelmäßige Begleitung durch einen Arzt (Hausarzt/Internist/Kinderarzt). Wir unterstützen ausdrücklich nicht ohne regelmäßige, somatische Überwachung durch einen Arzt.

11. Liebe und Mitgefühl 
Die bedingungslose Liebe und Akzeptanz unserer Kinder ist unser wichtigstes Werkzeug. Kein Urteilen, keine Schuldzuweisungen, kein Beschämen des Kindes. Mit bedingungsloser Liebe und Akzeptanz nehmen wir unsere Kinder so, wie sie jetzt gerade sind, selbst wenn sie - oder besser noch: besonders wenn sie - abweisend und aggressiv sind.

12. Externalisieren 
Wir vertreten die Ansicht, dass es wichtig ist, sein Kind von der Krankheit zu trennen. Das Externalisieren der Krankheit ist eine zentrale Komponente von FBT: Es bedeutet, dass der junge Mensch nicht für die Erkrankung verantwortlich gemacht werden darf. Die Erkenntnis und das Wissen darum, dass nicht dein Kind für die Krankheit verantwortlich ist, sondern dass die Krankheit dein Kind kontrolliert, wird dir schnell helfen, mit der aktuellen Situation besser umgehen zu können.

13. Schuldfalle 
Du kannst Deinem Kind jetzt nur helfen, wenn du nicht in die "Bin ich schuld?"-Falle trittst. Du bist jetzt die größte Ressource für dein Kind, nicht sein Problem! Mit einem Magersucht-Kind zuhause wird jede Familie erst einmal zu einer dysfunktionalen Familie.

14. Umgang in den Chatgruppen 
Die Moderatorinnen begleiten in den Gruppen, dass keine gefährlichen oder falschen Ratschläge ausgetauscht werden und greifen in diesem Fall in die allgemeine Diskussion ein. Die Moderatorinnen tauschen sich regelmäßig untereinander aus, um sich gegenseitig zu beraten und neue Impulse zwischen den Gruppen auszutauschen. Du gibt mit dem Eintritt in die Chatgruppen dein Einverständnis, dass wir ggf. auch dein Problem in der Moderatorenrunde beratschlagen.

15. Datenschutz 
Wir geben keine Details aus den Gruppen an Dritte weiter und erwarten das auch von dir. Der Austausch von Bildern, die kranke Kinder zeigen oder von vertraulichen Dokumenten, wie Krankenakten ist in den Gruppen nicht erlaubt. Die Weiterleitung von Chatnachrichten ist nur mit Einverständnis des Autors erlaubt.

16. Netiquette 
Du achtest bei deinen Beiträgen auf einen fairen und höflichen Ton und bleibst sachlich. Du behandelst alle anderen Gruppenmitglieder stets so, wie du selbst behandelt werden möchtest. Lasse anderen Gruppenmitgliedern ihre Meinungen und versuche nicht, deine Meinung anderen aufzuzwingen. Beiträge, die Beleidigungen, Obszönitäten, persönliche Angriffe, gewaltverherrlichende, rassistische, antisemitische, homophobe, sexistische oder anderweitig diskriminierende oder hasserfüllte Äußerungen enthalten, führen zu einem sofortigen Ausschluss aus der Gruppe und dem Netzwerk

17. Ausschluss durch das Netzwerk 
Die Moderatorinnen haben das Recht zu entscheiden, wenn jemand die Gruppe verlassen muss, wenn z.B. jemand die Gruppe nicht mehr nutzt oder das Gefühl aufkommt die betroffene Familie braucht mehr Hilfe als wir online leisten können und letztlich immer dann, wenn die beschriebenen Gruppenregeln nicht befolgt werden.

 

18. Wenn Du gehen möchtest 

Wenn im Laufe unseres gemeinsamen Weges hier im Netzwerk klar wird, dass unser Ansatz mit euren Wünschen und Anforderungen nicht übereinstimmt, dann bitten wir euch, uns dies ehrlich zu sagen. Ein Weg zurück zu uns steht euch immer frei. Unsere Kapazitäten sind sehr begrenzt und wir möchten gern allen Familien mit dringendem Bedarf helfen. Sollten Moderatoren merken, dass unser Ansatz für euch nicht passt, dann werden sie euch auch direkt darauf ansprechen.